Gute Küsse, schlechte Küsse – ein Kuß sagt mehr als tausend Worte…
Küsse sind das, was von der Sprache des Paradieses übriggeblieben ist.
(Joseph Conrad)
Ein Kuß sagt viel über einen Menschen aus – da sind wir uns hoffentlich einig. Ein Mann, der schon nicht küssen kann, taugt nicht unbedingt für „mehr“. Wenn man allerdings im Küssen noch relativ unerfahren ist, woher weiß man, was ein guter Küsser ist? Soll man sich einfach auf die eigene Intuition verlassen? Was, wenn der Kuß grauenhaft war und man den Mann/Jungen trotzdem gern hat? Soll man ihm eine zweite Chance geben? Vielleicht war er nur nervös?
Heutzutage scheinen viele Jugendlichen „Frühzünder“ zu sein. Da ist es nicht ungewöhnlich, wenn Mädchen schon mit zwölf den ersten Sex haben und Vierzehnjährige schwanger sind. Tja, für mich (Jahrgang 1967, also derzeit 41 Jahre alt) ist das eine komplett andere Welt. Ich habe zwar in der Grundschule zum ersten Mal herumgeknutscht, aber das war nur Spielerei. Der Junge hieß Andreas Osiander (Grüße!) und war damals ein kleiner, süßer Ladykiller! Er baggerte damals in der dritten oder vierten Klasse (so genau weiß ich es nicht mehr) gleichzeitig an mir und meiner damaligen besten Freundin Carmen herum. Irgendwann war dann der große Moment gekommen: Wir versteckten uns hinter den Jacken, die im Gang vor den Klassenräumen eng an eng aufgehängt waren, und knutschten herum. Ich hatte danach erst einmal die Nase voll vom Küssen, denn der süße Andreas (hey, der war echt süß, aber kußtechnisch hielt die Verpackung der näheren Prüfung nicht stand) war ein Feuchtküsser! Nachdem er mich so richtig vollgesabbert hatte, war ich für Jahre vom Küssen geheilt (Igittigittigitt!), was irgendwie auch sein Gutes hatte.
Mein erster langjähriger Freund (, der übrigens zwölf Jahre älter war als ich, damals etwa Anfang dreißig), mit dem ich ein paar Jahre in „wilder Ehe“ lebte, küßte so schlecht, daß ich lieber nicht ins Detail gehen möchte, hielt sich aber für Gottes Geschenk an die Frauen und unterstellte mir, ich sei prüde, weil ich seine Küsserei nicht ertragen konnte/wollte. Er war sowieso sieben Jahre lang sauer auf mich, weil ich zwar seine Schnarcherei ertrug, aber keine Lust hatte, mit ihm zu schlafen. Er mußte sich mit einer rein platonischen „wilden Ehe“ begnügen, was er auch tat, da ich angeblich seine Traumfrau war. Ich hatte damals keine Ahnung, daß das Küssen auch wunderschön und unfaßbar wundervoll sein kann…
Meinen ersten, wundervollen und unvergeßlichen Kuß bekam ich von meiner großen Liebe. Es war 1995, und ich war damals gerade siebenundzwanzig geworden (Ja ja, ein echter Spätzünder!) Wir trafen uns auf einem Seminar für Urologie, ein Pflichtkurs, von dem ich nicht erwartete, daß er mein Leben verändern würde. Mein (späterer) Liebster war ausgerechnet der Chef der Klinik, der mich, als ich an diesem historischen Morgen zu spät kam, sogleich mit allerlei fachlichen Fragen traktierte. Allerdings tat er das auf eine höchst charmante Weise. Während der ganzen Veranstaltung flirtete er so heftig mit mir, daß die gesamte Belegschaft einschließlich meines Studienkollegen Mark aufmerksam wurden. Mark fragte mich am Ende des Vormittags, ob wir uns persönlich kannten, was natürlich nicht der Fall war. Am Ende der Veranstaltung hatte auch mein (späterer) Liebster eine Frage an mich: „Kommen Sie mal wieder?“ wollte er wissen. Er war echt süß und charmant (, was mir egal gewesen wäre, wenn er nicht so verdammt lecker ausgesehen hätte). Wochenlang hospitierte ich in seiner Klink, nach sieben Monaten waren wir das „Klatschthema Nr. 1“ auf dem Campus, aber er traute sich noch immer nicht, mich nach meiner Telefonnummer zu fragen. Er sah zwar blendend aus, war intelligent und charmant, aber dabei als Mann sehr sehr schüchtern. Wie ich später erfuhr, glaubte er nicht, daß eine so viel jüngere Frau tatsächlich ein echtes Interesse an ihm haben könnte. Außerdem hatte er Komplexe wegen seines Namens (er hieß Herbert), den er für grauenvoll altmodisch hielt, was ja auch stimmt. Trotz alledem war er ein Klassemann. Es kam der Tag, da saßen wir zusammen auf einer Bank im Stadtpark und versuchten uns kennenzulernen. Mit nervösen Schwitzehändchen schlichen wir um den heißen Brei herum, bis er mich eeeeeendlich küßte. Wow! Das wochen- und monatelange Warten hatte sich gelohnt: Mein Liebster küßte wundervoll: sanft, warm und doch leidenschaftlich – unser erster Kuß war besser als alles, was ich vorher erlebt hatte, denn meine früheren Kußerfahrungen waren dürftig bis scheußlich:
[…] Ich war schon einige Male geküßt worden, doch eigentlich hatte ich stets aufgeatmet, wenn es endlich vorbei war. Da gab es einen, der mir seine pelzige Zunge in den Hals preßte und mir die Luft abschnürte, bis mir ganz schlecht wurde. Er küßte mich kein zweites Mal. Da gab es einen, der nach kaltem Tabak schmeckte. Dieser küßte mich ein zweites Mal. Tabak vermischte sich mit warmem Bier. Abscheu stieg in mir auf. Er schmeckte mich kein weiteres Mal. Da gab es einen, der mit seiner Echsenzunge in meinem Mund herumrührte, als wolle er Sahne steifschlagen. Seine »Technik« erinnerte mich an ein Haushaltsgerät. Er küßte mich kein zweites Mal. Da gab es einen, der mit seinen harzigen Lippen an meinem Mund klebte: Mit Unterdruck saugte er alle Luft aus meinen Lungen, um sodann die eingeschlossene Luft in meinen Hals zurückzublasen, und das nur, um sie sogleich wiederanzusaugen. Auch der erinnerte mich an ein Haushaltsgerät. Er küßte mich kein zweites Mal. Da gab es einen, der mit regem Speichelfluß meine Lippen besudelte. Ich wischte mir den Mund und versuchte den Ekel, der sich über mein Gesicht ergossen hatte, zu einer Eisschicht werden zu lassen. Als meine Züge erstarrt waren, begann ich mich zu fragen, ob das Küssen überhaupt notwendig sei. […] Zitat aus: Erotica pathemata, C. Hipper

Ich küsse für mein Leben gern, doch muss ich sagen, solche Sachen, wie du sie beschreibst habe ich auch schon erlebt. Normalerweise treffe ich aber eine Vorauswahl: Also keine Raucher z. B. und wenn ein Mann nicht gut riecht hat er bei mir sowieso keine Chance.
Ach, wenn du mich besuchen willst, dann schau doch einfach mal auf unserer Seite vorbei: Maria
Als ich die schlimmsten Erfahrungen gemacht habe, war ich noch jung (grins), aber das ist auch nur ein Buchauszug. Ich küsse auch nicht gerade „in der Gegend herum“. Kurioserweise ist der beste Küsser (und die große Liebe) meines Lebens ausgerechnet ein Mann mit dem altmodischen Namen „Herbert“. Das Leben hat Humor!
Lieb von dir…