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Gewalt und Gegengewalt, eine unendliche Spirale? Sollte man (frei nach Lorena Bobbit) Vergewaltigern den Penis amputieren?

Vorab sollte ich kurz erwähnen, daß die Dialoge und der Verlauf der Unterhaltung im letzten Artikel (Von Neonazis und Heidi-Klum-Hassern) so authentisch wie möglich wiedergegeben wurden. Allerdings habe ich zwei Telefongespräche zusammengefaßt, weil der Artikel sonst zu umfassend geworden wäre. Diese kleine Episode aus dem wahren Leben (so geschehen im Jahr 2007) zeigt, wie rasant sich unserer Gesellschaft in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert hat. Erfolgreiche und vor allem starke Frauen wie Heidi Klum stellen für einen ernstzunehmende Anteil der männlichen Bevölkerung eine Bedrohung dar. Sicher, Alice Schwarzer kämpft noch immer für mehr Gleichberechtigung, aber gerade dort, wo Gleichberechtigung erzielt wurde, treten ganz andere Probleme auf. Und zwar Gewaltprobleme. Nun ist »Bernd aus Bad Homburg«  nicht der einzige Mann auf diesem Planeten, der sich von Frauen mit starkem Intellekt bedroht fühlt. Und Heidi Klum ist nicht die einzige Frau, die sich Unabhängigkeit erkämpft hat (Gott sei dank, ist sie das nicht!) und dafür von Männern, die sie nicht kennen und die ihr nie begegnet sind, gehaßt und angefeindet wird. Die Frage ist: Wie soll man auf Gewalt reagieren? Vielleicht hat die eine oder andere Frau beim Lesen meines Berichts nervöse Zuckungen bekommen, weil sie mit einem Mann, der sie vergewaltigt und beschimpft hat, ganz anders umspringen würde, als ich es getan habe.

 

Alice Schwarzer, die ich übrigens aufgrund ihres starken Intellekts sehr schätze (keine Ahnung, wieso sich manche Menschen von ihr bedroht fühlen), wäre vermutlich enttäuscht von mir. Immerhin schrieb sie nach dem Lorena-Bobbit-Fall (wir erinnern uns an die Frau, die ihrem Mann, der sie vergewaltigt hatte, den Penis abtrennte!):

„Sie hat ihren Mann entwaffnet. (…) Eine hat es getan. Jetzt könnte es jede tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für Frauen kein Tabu mehr. Es kann zurückgeschlagen werden. Oder gestochen. Amerikanische Hausfrauen denken beim Anblick eines Küchenmessers nicht mehr nur ans Petersilie-Hacken. (…) Es bleibt den Opfern gar nichts anderes übrig, als selbst zu handeln. Und da muß ja Frauenfreude aufkommen, wenn eine zurückschlägt. Endlich.“ [Zitat Ende]

 

Na gut, ein Anflug von Schadenfreude hat auch mich im Fall Bobbit überkommen, das gebe ich zu. Allerdings halte ich Gegengewalt nicht für ein probates Mittel als Antwort auf Gewalt. Gewalttäter sind Schwächlinge! Ein Mensch, der es nötig hat, seine Interessen mittels Gewaltanwendung durchzusetzen (und dabei spielt es keine Rolle, ob sich die Gewalt gegen Frauen oder Männer richtet, ob sie verbal oder nonverbal, materiell oder körperlich ausgeübt wird), ist und bleibt stets der Unterlegene! Ich mache hier keinesfalls den Täter zum Opfer. Aber es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Gefühl, minderwertig zu sein und der Ausübung von Gewalt. Hochbegabte (gleich ob Männlein oder Weiblein) beispielsweise verhalten sich im Umgang mit den Aggressionen anderer auffallend passiv. Sie sind zumeist einfühlsam und verfügen über eine ausgeprägte Empathie sowie über einen starken Gerechtigkeitssinn. Hochbegabte Kinder halten die Haßausbrüche und Hänseleien ihrer Mitschüler oft jahrelang aus, ohne sich jemals zu wehren. Mag sein, daß sie dadurch zum Opfer werden. Aber das ist eine äußerst oberflächliche Betrachtung dessen, was psychologisch dahintersteckt. Der Hochbegabte verfügt über Fähigkeiten, die anderen Menschen unzugänglich und oft sogar unverständlich sind. Dadurch empfinden ihn seine Mitmenschen als überlegen. Und letztlich stimmt diese Wahrnehmung zumeist mit der Realität überein. Der Überlegene, pathetisch ausgedrückt: der Machtvolle, macht sich im Umgang mit seinen Mitmenschen oft kleiner als er ist, er verhält sich tolerant und nachgiebig, weil er signalisieren möchte: »Ich bin keine Gefahr!« Was für Hochbegabte (also für Menschen mit außergewöhnlich hohem IQ oder einer Spezialbegabung) gilt, gilt natürlich ebenso für Normalbegabte, die es geschafft haben, aus ihren Fähigkeiten ein Maximum an Gewinn zu schöpfen. Erfolgreiche Menschen sind sicher nicht immer hochbegabt. Aber sie sind mit Sicherheit besser in der Lage, die Frustrationen und Aggressionen anderer gewaltlos zu parieren. Und das scheint mir persönlich der bessere Weg zu sein.

Dezember 7, 2008 - Verfasst von kopfgeschlagen | Femina & Geschlechterkampf | , , , , , , , , , , | Noch keine Kommentare

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