Kopfgeschlagen Blog

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(2) Von Neonazis und Heidi-Klum-Hassern, oder: Wieso alte Herren attraktive und selbstbewußte Frauen als Huren beschimpfen…

Für diejenigen, die meinen ausführlichen Bericht dazu nicht gelesen haben, hier ein kurzer Flashback: Bernd hatte mich mit einem erlogenen Parship-Profil in seine Wohnung gelockt, wo ich, da völlig übermüdet von der langen Autofahrt, übernachten mußte. Er nutzte die Situation aus, um mich sexuell zu nötigen. Der körperliche Schmerz war eine Sache, aber die Erinnerung an den Gestank seines Körpers war fast noch schlimmer: Er roch muffig wie ein alter Mann, der sich lange nicht gewaschen hat, hinzu kam der Geruch von abgestandenem Urin. Wenn ich daran denke, dreht sich mir noch jetzt der Magen um.

Ich versuchte, ihn zu beschwichtigen: »Nun beruhige dich bitte. Wenn ich dich hätte anzeigen wollen, hätte ich das längst getan. Es geht mir darum, ein vernünftiges Gespräch mit dir zu führen-«

»Vernünftig reden willst du?!« unterbrach er mich. »Mit dir kann man doch gar nicht reden! Du hast ja bloß Luft im Schädel! Du bist ja noch dämlicher als Heidi Klum!«

»Was? Wie kommst du jetzt darauf? Ich kann dir nicht folgen!«

»Kein Wunder! Weil du zu blöd bist! Ihr Mistweiber seid alle gleich dämlich! Leg dir doch nen Nigger zu wie die bescheuerte Heidi Klum, aber lauf mir nicht hinterher!« Puh! Der Mann war mehr als nur frustriert.

»Erstens laufe ich dir nicht hinterher. Und zweitens kann ich nicht glauben, daß du Seal gerade einen ›Nigger‹ genannt hast! Findest du das nicht ein wenig rassistisch?«

»Wie willst du das beurteilen, du Hohlkopf? Du sprichst mit einem großen Ethiker! Ich habe schon Moralphilosophie gelehrt (noch eine Lüge!), da hat es dich und diese Modelnutte noch nicht gegeben!« Wow! In jedem Satz hagelte es mindestens eine Beschimpfung! Dabei gehe ich jede Wette ein, daß der Mann sich auf dem Golfplatz oder sonst in der Öffentlichkeit so brav und gesittet benimmt, als könnte er kein Wässerchen trüben. Ach ja, Ethikprofessor ist er allenfalls in seiner Phantasie (,aber das erwähnte ich schon).

»Deine moralische Einstellung kenne ich bereits, allerdings dürftest du in Deutschland kaum viele Gleichgesinnte finden«, sagte ich. »Gerade die Todesstrafe hat hierzulande glücklicherweise kaum Anhänger.« [Bernd ist ein erklärter Befürworter der Todesstrafe]

»Was verstehst du davon, du Klugscheißer! Wenn in diesem Land mal jemand ordentlich aufräumen würde, gäbe es keine Sozialschmarotzer!« Er spielte auf das Ruhrgebiet an. Vor kurzem hatte ich noch geglaubt, er habe die Aussage, man solle Bomben auf Nordrhein-Westfalen werfen, weil dort angeblich bloß Asoziale wohnten, die dem Staat auf der Tasche liegen, nicht wirklich ernst meinen können. Mittlerweile war mir klar, daß er keine Scherze machte. Nun kann man den Mann einerseits als »armen Irren« mit vollkommen entgleister Selbst- und Fremdwahrnehmung abtun. Aber wenn man es genau bedenkt, repräsentiert er eine ganze Generation. Sein exaktes Alter ist ja nach wie vor ein Staatsgeheimnis, ich kann also nur mutmaßen, daß er vermutlich Mitte sechzig, eventuell Anfang siebzig sein dürfte. Setzt man die Spanne großzügig an, so steht Bernd stellvertretend für die Jahrgänge zwischen 1935 und 1950, damit könnte er Heidi Klums Vater sein. Mag sein, daß es in dieser Altersgruppe einige wirklich tolerante Freigeister gibt, allerdings dürften sie eine Minderheit bilden (wenigstens ist das mein Eindruck). Dieser Generation haftet eine eher starre Geisteshaltung an, die bei dem einen oder anderen ins Radikale abdriftet.

»Man kann Seal wohl kaum als Sozialschmarotzer bezeichnen!« antwortete ich. »Abgesehen davon wohnt er nicht mal in Deutschland.«

»Das wäre ja auch noch schöner!« wütete Bernd. »Es gab Zeiten, da hätte man Nigger wie den aufs Feld geschickt, wo er hingehört!«

»Nun komm mir nicht wieder mit diesem Gerede von Nietzsche und dem Übermenschen! Wir können froh und dankbar sein, heute in einem liberalen und weltoffenen Deutschland zu leben.« In früheren Telefonaten hatte er mit Vorliebe Nietzsche zitiert, aber leider inhaltlich nicht verstanden, was er da zum besten gab. Er fühlte sich als Angehöriger der »überlegenen Rasse«, eine äußerst bedenkliche Einstellung. Dabei beharrte er wie ein trotziges Kind auf seinem Standpunkt, so daß eine kritische Diskussion nicht möglich war.

»Dämliches Weibergeschwätz! Die Zeiten ändern sich! Die Sklaverei kommt wieder in Mode, wirst schon sehen!«

»Sicher«, meinte ich resignierend, »und die Hexenverbrennung ist auch so ein Brauch, den man wiedereinführen sollte?!« Natürlich meinte ich das ironisch, doch Bernd griff meine Aussage sofort auf:

»Es gibt eine Menge Traditionen, die man wiederentdecken wird! Es gab mal eine Zeit, da war es Brauch, Juden zu vergasen. Das kommt alles wieder, paß nur auf!« Das war selbst mir zu viel. Ich hatte genug. Ich wollte nur noch meine Sachen von ihm wiederbekommen und mich von diesem Mann mit seinen rechtsextremen Ansichten erholen. Ich beherrschte mich ein letztes Mal und sagte:

»Es wäre gut, wenn wir für einen Augenblick die Emotionen aus dem Gespräch nehmen könnten. Ich sagte ja schon, daß ich bereit wäre, den Vorfall in Bad Homburg zu vergessen, wenn du mir mein Eigentum umgehend zurückschickst. Außerdem fände ich es anständig von dir, wenn du wenigstens die Arztkosten übernehmen könntest.«

»Wozu willst du zum Arzt rennen, du Flittchen?! Willst du etwa andeuten, ich hätte dich vergewaltigt?« Es fiel mir unendlich schwer, die Ruhe zu bewahren. Er fühlte sich offensichtlich nicht nur von mir zurückgewiesen, sondern auch bedroht. Auf dieser Basis würde ich meine Sachen nie zurückbekommen. Ich würde sein angeschlagenes Ego ein wenig aufbauen müssen, falls ich vernünftig mit ihm reden wollte.

»Ist schon gut, Bernd, ich mache dir keinen Vorwurf. Man kann es sowieso nicht mehr ändern. Wenn du möchtest, gebe ich dir schriftlich, daß es keine Vergewaltigung war. Aber bitte, sei so nett, und schick mir meine Sachen zurück. Du kannst damit doch gar nichts anfangen. Und für mich ist das wirklich wichtig!«

»Komm doch nach Ibiza, und hol sie dir! Für dich rühre ich keinen Finger! Kannst froh sein, daß ich nicht mit dir abrechne!«

»Was soll das nun wieder heißen?«

»Das soll heißen: Sieh dich vor! Ich habe schon ganz andere Menschen aus dem Weg geräumt. In meiner Zeit als Geschäftsführer genügte ein Anruf, um Existenzen auszulöschen. Und wer dann immer noch nicht genug hatte, wurde ausradiert. Du kleine Kröte weißt wohl nicht, mit wem du es zu tun hast! Komm mir in die Quere, und ich vernichte dich!« Es sagte das in einem seltsam ruhigen Ton. Zuvor hatte er sich aufgeregt, mich haltlos angebrüllt, doch nun wurde mir doch ein wenig angst und bange. Sicher, seine geschäftliche »Blütezeit« war lange vorbei. Inzwischen fühlte er sich von der Gesellschaft ausgegrenzt und von den Frauen bedroht. Sein größter Wunsch, nämlich seinen Namen im Geschichtsbuch zu lesen, hatte sich nicht erfüllt. Er war geschieden und kinderlos. Ein trauriges Schicksal für einen Menschen, der nicht allein sein kann. Kein Wunder, daß er eine äußerst niedrige Frustrationstoleranz hatte. Aber diese letzte Bemerkung von ihm beunruhigte mich doch ein wenig. Schwache Charaktere blasen sich gern auf, machen gern Drohgebärden. Andererseits weiß man ja nie, was einen solchen Menschen umtreibt. Ich wollte gerade einen letzten Versuch unternehmen, ihm klarzumachen, wie dringend ich meine Sachen brauchte, da hatte er auch schon aufgelegt.

 

[Fortsetzung bzw. Kommentar zu diesem Artikel in: „Gewalt und Gegengewalt“]

Dezember 7, 2008 - Verfasst von kopfgeschlagen | Flirts & Partnersuche | , , , , , , , , , , | Noch keine Kommentare

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